Thoughts: Over & Out.

Nach fast drei Wochen bin ich das erste Mal so richtig allein. Allein in einer ruhigen Wohnung. Allein mit meinen Gedanken. Und davon hab ich eine ganze Menge. So viele, dass sie mich regelrecht überollen. Ebenso, wie die Tränen, die kurz darauf über meine Wange kullern.

Was ist denn jetzt los?, denke ich noch. Ich hab doch gar keinen Grund, traurig zu sein? Es ist doch gar nichts schlimmes passiert? Ganz im Gegenteil…

Ich brauche eine ganze Woche, um zu verstehen, was mit mir los ist. Eine ganze Woche, um zu begreifen, dass mir schlicht alles zuviel geworden ist. Es ist kein körperlicher Stress, zumindest nicht nur, der mir zugesetzt hat. Es sind hunderte von Eindrücken, die auf mich einprasselten. Eindrücke, die ich so schnell nicht verarbeiten konnte. Vor allem, weil ich keine Zeit dazu hatte. Oder, weil ich mir keine Zeit dafür genommen hatte.

 

Over&Out

 

Auf der einen Seite sind da die ganzen Gedanken, die seit der Fashion Week in meinem Kopf herum schwirren. Zweifel über die oberflächliche Branche in der ich mich bewege. Zweifel über den Berufszweig für den ich mich entschieden habe. Will ich zu einer Branche gehören, die in der Gesellschaft nicht richtig ernst genommen und auf den ersten Blick stets abgestempelt wird? Mir (und vielleicht auch einigen von euch?) ist bewusst, dass Blogger, Influencer, oder wie auch immer ihr den Beruf betiteln wollt, keineswegs nur oberflächlich sind. Dass dieser Job keinesfalls so einfach ist, wie er manchmal aussieht. Dass hinter vielen Blogs und Insta-Accounts eine Strategie und ein Businessplan steht. Mir (und vielen sonst) ist das bewusst. Aber eben nicht allen. Und auch nicht alle, die sich Blogger oder Influencer nennen, üben diese Tätigkeit als professionellen Beruf aus. Müssen sie auch nicht. Trotzdem wirft es kein gutes Licht auf diejenigen, die viel Muße in ihre Arbeit stecken, wenn andere eine Waschmittelflasche im Fahrrad spazieren fahren und das als authentische Werbung verkaufen wollen. Direkt zu Beginn der Fashion Week titelt die Welt „Die geschminkte Wahrheit einer Influencer-Party“ und dominierte mit dem Artikel seither meine Gedanken. Ein stilistisch fürchterlicher Beitrag, der mit plakativen Metaphern nur so um sich wirft. Aber eben auch ein Beitrag an dem viel Wahres dran ist.
Hinzu kommt die Diskussion rund um Caro und ihre „Daur-Werbesendung“. Eines der vorherrschenden Themen auf der Fashion Week. Und ein Thema, dass mir schon zu den Ohren heraus kommt…

 

SocialMediaAuszeit8

 

Auf der anderen Seite hat jeder Blogger auch ein Privatleben. Eine Seite, die sich meist wohl behütet nur offline abspielt. Jenseits der glamourösen Bloggerevents, jenseits von Goodie Bags und Unpackings. Auch ich halte mein Privatleben größtenteils fern von diesem Blog.

Ich überlege mir gut, was ihr zu sehen bekommt oder worüber ich in meiner Insta Story spreche. Das liegt nicht daran, dass ich nicht gerne jedes Detail meines Lebens mit euch teilen würde. Es ist ein Schutzmechanismus. Nicht unbedingt, um mein Privatleben vor euch zu schützen. Vielmehr, um mein Privatleben vor meinem Online-Ich zu schützen.

Das klingt erstmal komisch. Ist es aber gar nicht, wenn man bedenkt, wie oft schon Nicht-Blogger in die Versuchung geraten, viele Details ihres Privatlebens in die Öffentlichkeit zu tragen. Da wird erst das eigene Essen, dann der Familienurlaub und zum Schluss das eigene Gefühlsleben in die Öffentlichkeit getragen. Was mit dem Beziehungsstatus bei Schüler-VZ begann, nennt sich jetzt Insta Story und lässt jeden jederzeit sehen, was man gerade macht und mit wem man es tut. Nicht zu vergessen, die Handysüchtigen, die beim Lunchdate nicht vom Mailpostfach lassen können oder die Freunde, die beim gemütlichen Feierabendbierchen lieber mit anderen über WhatsApp kommunizieren anstatt der realen Unterhaltung zu lauschen, die sich parallel abspielt. Und jetzt stellt euch noch vor, es ist nicht euer Hobby, sondern euer Beruf euer Leben mit der Öffentlichkeit zu teilen. Statt Freunden und Bekannten sind da Fremde, die es interessiert, was ihr so treibt.

 

Over&Out2

 

Schon gelesen?

Thoughts: Die Generala

Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, keinen Blogpost zu schreiben, wenn ich aufgebracht bin. Nachdem sich

Read More

 

Klar, ich will, dass es euch interessiert. Ohne euch, unsere Leser, würde dieser Blog seine Daseinsberechtigung verlieren. Ich teile gerne meine modischen Vorlieben, meine Reiseerinnerungen oder generelle Gedanken zu unterschiedlichen Themen mit euch. Trotzdem finde ich nicht, dass alles in die Öffentlichkeit gehört, was ich so treibe. Und letzte Woche, da beschäftigten mich eben nicht nur die Nachwirkungen der Fashion Week. Auch jede Menge Gedanken außerhalb vom Blogger-Buisness quälten meinen Gemütszustand. Keine großen Sorgen, wie Trennungsschmerz oder schwere Krankheit. Kein Mount Everest, der sich vor mir auftürmte und überquert werden musste. Eher kleine Stoplersteinchen, die aus dem Weg geräumt werden sollten. Und dazu war ich erstmal nicht in der Lage.

Some days you just have to say „fuck it, I did what I could today“ and just let go all the stuff you wanted to do. Life is too short to be angry with yourself for being human.

Und was macht man, wenn man sich überfordert fühlt von den ganzen Dingen, die einem so im Kopf herum schwirren? Wenn einem alles zu viel zu werden scheint? Ich weiß nicht, was euer Patentrezept ist, aber ich mache dann erstmal gar nichts. „Gedanken sortieren, Ballast abwerfen und Energie tanken“, so der Titel meines letztres Instagramposts vor über einer Woche. Und so auch mein Plan.

Jetzt fühle ich mich wieder richtig gut. Wieder richtig lebendig, voller Energie und Tatendrang. Ich brauchte sieben Tagen offline, sechs Flaschen Sekt, die ich mit den Mädels köpfte, viel, viel Schlaf und noch mehr Gespräche. Aber jetzt, jetzt fühle ich mich wieder richtig gut.

  • Comments ( 2 )

  • avatar
    Janine

    Liebe Anna, ich kenne das Gefühl – auch wenn ich bei weitem keine so erfolgreiche Bloggerin bin wie Du!
    Und ich bin froh, dass es Dir besser geht! Da kann ich mir eine grosse Scheibe von Dir abschneiden, wenn es mir schlecht geht, versuche ich mich mit allen möglichen Mitteln abzulenken, anstatt das Problem sich „ausleben“ zu lassen…

    Gerade gestern habe ich eine Doku über die teils sehr oberflächliche Welt der Influencer gesehen, es ist schade, dass gewisse Leute sich einfach das Maul zerreissen, während andere richtig hart dafür arbeiten!!
    Liebste Grüsse
    Janine von https://www.vivarubia.ch/

    • avatar
      Anna

      Liebe Janine,

      vielen Dank für dein liebes Feedback und das tolle Kompliment. Es fällt tatsächlich anfangs etwas schwer, auch mal schlechte Gefühle und Stimmungen zuzulassen und diese „auszuleben“. Aber wenn man es unterdrückt, ist das eigentliche Problem leider nicht gelöst, ähnlich wie bei einer Kopfschmerztablette…

      Die Doku klingt sehr interessant. Weißt du noch, wo diese lief oder wie die Doku heißt? Ja, leider kann einen diese „Welt“ manchmal richtig verrückt machen.

      Ich schau gleich mal auf deinem Blog vorbei <3

      Liebste Grüße!
      Anna

  • Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

TOP