Thoughts: Die Generalabrechnung mit Instagram, seinen Usern und den Unternehmen

Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, keinen Blogpost zu schreiben, wenn ich aufgebracht bin. Nachdem sich die Ereignisse nun überschlagen – wie man so schön sagt – kann ich aber nicht anders, als mich doch zu Wort zu melden und meine Meinung zum Thema Insta-Fame, Fake-Followern und dem „neuen“ Algorithmus kund zu tun.

 

Der nächste große Skandal: #Instagate

Gekaufter Follower und frisierte Reichweite auf Instagram – zunächst ein Thema über das ich mit befreundeten Bloggern sprach, dann eines, dass immer wieder auch in Blogposts thematisiert wurde. In den letzten Wochen häuften sich dann Screenshots von Nachrichten mit ähnlichem Wortlaut in den Insta Stories meiner Lieblingsblogger:

„Wir haben ein Geschenk für dich! In kürze findest du unter deinem letzten Bild 500 Likes!“

Heute dann die große Beichte. Eine bekannte Bloggerin gibt zu, Geld an eine ausländische Firma bezahlt zu haben, um ihre Reichweite und Followerzahl zu steigern (Respekt, liebe Vreni für deine offenen Worte und den mutigen Schritt, den du jetzt gehst! Dazu später mehr…). Fünf Minuten nachdem ich den Beitrag auf Vrenis Blog gelesen hatte, entdeckte ich dann im Newsletter der Online Marketing Rockstars einen Beitrag zum gleichen Thema. Vom #Instagate ist dort sogar schon die Rede.

Leute, was ist da eigentlich los? Zeit, das Feld von hinten aufzurollen..

 

#SELFIE

 

Wie heißt ihr auf Instagram? Oder auch: Wartet mal kurz, ich muss erst wissen, wie viele Follower ihr habt, bevor ich überhaupt mit euch rede..

Es war das erste Mal, dass wir mit der Bedeutung das Instagram-Reichweite konfrontiert wurden. Bis dato bin ich – naiv und ehrlich, wie ich man halt so ist – davon ausgegangen, dass authentische und qualitativ hochwertige Inhalte wichtig wären. Wir waren zum ersten Mal auf der Fashion Week in Berlin und kamen beim FashionbloggerCafé mit einigen Unternehmen ins Gespräch. Schon im zweiten Satz wurde nach unserem Instagram-Account gefragt. Ganz nebenbei wurde das Handy gezückt und der Name gesucht. Mit einem Blick auf unser Profil, und von unserer Seite mit einem Blick in das Gesicht des PR-Menschen, war klar, bei dem sind wir unten durch. Wen interessieren schon die Blogreichweite oder die Inhalte, die wir liefern? Wir haben wenig Follower auf Instagram, also sind wir es auch nicht wert, dass man weiter mit uns spricht. Nicht nur mit Unternehmen haben wir diese Erfahrung gemacht. Auch andere Blogger reagierten ähnlich, als sie bemerkten, dass wir keine Big Player sind, mit denen man zwecks Shoutout ein gemeinsames Selfie inszenieren könnte. Herzlich willkommen in der Welt der Oberflächlichkeit in der Follower und Likes mehr zählen, als der persönliche Austausch mit einem netten Menschen, der ähnliche Interessen teilt.

„A Million Likes will never be enough if you don’t like yourself.“

Natürlich sind nicht alle Blogger oder Unternehmen so. Zum Glück haben wir – und das gehört zu den schönsten Seiten des Bloggens – viele Leute kennen gelernt, die nicht so oberflächlich denken. Aus einigen Kooperationen hat sich eine langjährige und ehrliche  Zusammenarbeit entwickelt. Aus manchen Insta-Bekanntschaften wurden richtige Freundschaften abseits der Bloggerwelt 🙂 Und das, obwohl wir nur einen kleinen Instagram-Account unser eigen nennen können.

 

Willst du gelten, mach dich bloß nicht selten

Auf dem Rückweg von unserer ersten Fashion Week gab es für Kira und mich (fast) nur ein Thema: Wie zum Teufel schaffen wir es, unsere Reichweite auf Instagram zu steigern? Wir schämten uns dafür, so kleine Accounts und so wenig Follower zu haben. Gegen all die anderen Blogger, mit ihren 50k und mehr Fans auf Insta, wirkten wir wie lächerliche Wannabes. Was noch viel schlimmer war? Im direkten Vergleich der Accounts konnten wir keinen großen Unterschied zu unseren Bildern feststellen. Tatsächlich wunderten wir uns bei jedem zweiten Account, dass dieser – trotz minderwertiger Inhalte – so viele Follower hat. Und ebenso schlimm: Nach unseren Blogstatistiken hatte uns keiner gefragt! Denn diese sind, anders als die Instagram-Followeranzahl viel aussagekräftiger und bestärken uns jeden Tag in unserer Arbeit. Leider (oder zum Glück?) kann man diese Zahlen nicht ganz präsent im Header jedes Blogs ablesen. Wär wahrscheinlich ganz interessant für so manches Unternehmen, wenn es heraus findet, dass ihr Insta Sternchen nicht annähernd so viele Nutzer mit dem Blog erreicht, wie die angebliche Insta-Zahl suggeriert.

 

VSCO P5

 

Denn sie wissen es nicht besser…

Das Problem an der Sache? Die wenigsten PR-Menschen kennen sich so gut mit der Thematik aus oder stecken so tief in der Instawolke, wie wir Blogger. Für viele ist das ganze Influencer-Thema generell noch Neuland. Dass die Zahl, die dort über dem Instagram-Profil thront, meist gar nicht so aussagekräftig ist, weiß schlicht und ergreifend keiner. Sie wissen es einfach nicht besser.

Uns dämmerte schon damals, dass das alles nicht mit rechten Dingen zu geht. Unser Fazit lautete schon seinerzeit: Entweder man kauft sich Follower oder man bedient das 0815-Klischee, dass auf jedem x-beliebigen Instaprofil zu sehen ist: Macarons, Matcha Latte und Chanel Bags. Wen interessieren schon individuelle Inhalte? Wer will schon inspiriert werden, wenn er das 1.000ste Bild einer Valentino-Tasche liken kann? Komischerweise sind wir nicht die einzigen, die sich darüber aufregen. Auch namenhafte Bloggerinnen, wie die Mädels von Blogger Bazaar, prangen die fehlende Authentizität auf Instagram an. Warum sich trotzdem nichts ändert? Weil viel zu viele das Spiel mitspielen. Richtig zum Nachdenken hat mich in diesem Zusammenhang der Beitrag von Tatjana gebracht: Pro und Contra einer Designer-Handtasche – Warum es als Bloggerin in meinen Augen kaum noch ohne geht. Verübeln kann man es den Mädels nicht, wenn sie auf den Einheitsbrei-Zug aufspringen und sich schlimmsten Fall schon mit Anfang 20 für eine Designerhandtasche zu verschulden, um beim Instagame mitmischen zu können. Schließlich entscheiden sich viele von uns früher oder später dazu mit dem Blog Geld zu verdienen und das Bloggen zum Beruf zu machen. Und in diesem Zusammenhang entscheiden die Insta-Zahlen dann über das Zustande kommen so mancher Kooperation.

 

Facebook, das Arschloch mit dem blöden Algorithmus

Als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, hat Facebook dann mit der Einführung des Algorithmus noch einen drauf gesetzt. Anstatt die Beiträge derjenigen anzuzeigen, denen ich folge und dir mir gefallen, entscheidet jetzt irgendeine blöde Formel darüber, wer mir in meinem Feed angezeigt wird und wer nicht. Im Feed der meisten User landen natürlich vor allem diejenigen, die eh schon recht bekannt sind. Kurzum: Wer groß ist, wird noch reichweitenstärker, wer klein ist, bleibt klein und in den tiefen der Instagramwelt verborgen.

Was daraufhin passierte? Zunächst einmal ein verzweifeltes betteln darum, die Notifications zu aktivieren. Kein Blogger, der nicht einen Instapost mit dem Titel

„Turn on Post Notifications!“

veröffentlichte. Das hat mich schon nach einer Woche fertig gemacht. Mal im Ernst: Wie viele Post Notifications habt ihr tatsächlich aktiviert? Drei? Maximal 10? Und wie viele Leute habt ihr im Vergleich dazu abonniert, weil euch die Feeds gefallen? 100? 200? Ein Witz diese ganze Sache, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange…

Denn jeder noch so gut durchdachte Algorithmus lässt sich austricksen – zumindest bis zum nächsten, großen Update. Cracks machen das mit dem Google-Algorithmus schon seit Jahren und täuschen das Suchmaschinen-Ranking durch die ein oder andere SEO-Maßnahme. Das funktioniert natürlich auch bei Instagram und geschieht dort neuerdings durch die sogenannten Like Pods. Es handelt sich dabei um Facebook-Gruppen zu denen sich recht erfolgreiche Blogger/ Instagrammer zusammen schließen. Sie verpflichten sich durch den Beitritt der Gruppe dazu, jedes mal, wenn ein Gruppenmitglied etwas postet, innerhalb der ersten Minuten aktiv zu werden und fleißig zu liken und zu kommentieren. Die Idee dahinter? Ein Post, der innerhalb der ersten Minuten ein hohes Engagement aufweist, rankt im Algorithmus höher und wird mehr Usern angezeigt. Erstmals habe ich von diesen ominösen Gruppen vor einer Woche bei den Online Marketing Rockstars gelesen. Auch Jana vom Blog bekleidet hat sich auf ihrem Blog ausführlich mit dem Thema beschäftigt.

 

#Foodie

 

2017: Die große Gegenbewegung aka die Blogger schlagen zurück!

Eine ähnliche, nicht minder beliebte Maßnahme, um den Algorithmus zu umgehen, um auch 2017 als kleiner oder mittel großer Blogger auf Instagram zu wachsen? Engagement einkaufen. Im Eintausch gegen Bares oder gegen eigene Likes und Kommentare. Genau dies hat Vreni vom Blog Never Ever gemacht. Sie gibt offen zu, dass sie, aus Angst in der Masse unter zu gehen, ihre Zahlen frisiert hat. Das sie damit keine echten Follower anlockt, hat sie erstmal ausgeblendet. Denn, wie eingangs erläutert, reichen die steigenden Zahlen zunächst einmal aus, um auf dem Radar von Unternehmen und neuen Followern zu landen. Der Bloggermaschinerie sei dank, denn es spielen ja alle munter mit: Influencer, Unternehmen und Facebook. Und genau das ist der Punkt:

Solange alle munter mitspielen, ändert sich gar nichts!

Vreni reicht es. Sie spielt das Spiel nicht mehr mit und ruft unter dem Hashtag #neverevernotreal dazu auf dem ganzen Mist ein Ende zu setzen. Sie ermuntert uns dazu, den eigenen Kanal zu säubern und Fake Follower eiskalt aus dem Feed zu entfernen.

Ähnliche Gegenbewegungen sind auch auf anderen Plattformen, wenn auch in anderer Form, zu beobachten. Nicki Sunderland entlarvt beispielsweise den ein oder anderen Influencer, der offensichtlich nicht organisch gewachsen ist. Aufwendig erklärt sie, wie man Fakes erkennt und das sogar einige große Accounts (mit über 100k!) der Instafalle ins Netz gegangen sind. Kurzum: Sie bestätigt, was wir uns alle eh schon immer dachten: Instagram ist Fake und jeder kauft Follower, auch wenn es keiner offen zu gibt.

Da es mir eigentlich egal ist, wer seine Follower gekauft hat und wer nicht und ich eigentlich viel eher daran interessier bin, wieder mehr echte Inhalte und tolle Leute auf Instagram zu sehen, bin ich ganz begeistert von Sarahs Aufruf auch kleineren Accounts zu folgen. Sie spricht vielen von uns aus der Seele, wenn sie schreibt

„Da die großen „Influencer“ und Accounts mir persönlich immer weniger Inspiration bieten, möchte ich euch heute meine Instagram-Lieblinge vorstellen, die zwar keine 100K Follower, aber dafür jede Menge inspirierende Bilder vorzuweisen haben. Jenseits von Eiffelturm-Views, dürren Beinchen und Rückansichten mit wallendem Haar…“

Vielleicht hat Instagram seinen Peak erreicht. Vielleicht finden wir bald eine neue Plattform auf der es (erstmal) um echte Inhalte und weniger um Reichweite geht. Vielleicht trauen sich aber auch einfach mal mehr Blogger und Influencer den Insta-Zirkus nicht länger mit zu machen…

  • Comments ( 5 )

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    vreni frost

    vielen dank für diesen tollen post! gemeinsam können wir mehr transparenz schaffen!

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      Anna

      Danke für deine schnelle Rückmeldung! Heute ist mir nach Monaten echt der Kragen geplatzt. Ich hoffe, dass sich jetzt etwas ändert 🙂 Und ein großes Kompliment nochmal an deinen mutigen Beitrag!

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    Nessa

    Wirklich toller Beitrag! Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen. Meine Leidenschaft fürs Nähen und für die Fotografie, hat mich zum bloggen gebracht. In der Nähszene sieht es leider nicht anders aus, als in der Fashionblogger-Szene. Ich bin gerade auch an einem Punkt, wo ich die Lust aufs bloggen und auf Instagram verliere.
    Es hat mir eine Zeit lang wirklich Spaß gemacht, aber der Einheitsbrei nimmt so sehr überhand, dass es für mich kaum noch eine inspirierende Wirkung hat. Dazu kommt noch der Druck, den man sich selber macht, wenn man sich und andere vergleicht. Sollte man nicht tun, aber es passiert meist doch unweigerlich.Was die Followerzahlen angeht…damit habe ich meinen persönlichen Frieden geschlossen. Dann ich habe lieber weniger Follower und bleibe mir selber treu, bevor ich irgendwelchen Blodsinn nähe, hinter bzw. für den ich gar nicht stehe!☺ Und du glaubst gar nicht wie oft ich mich davor hinterfragt habe! Man sollte einfach “Back to the roots“, sich vor Augen führen warum man es macht und man selbst sein.
    Vielen Dank für deine Gedanken und offenen Worte!
    Liebe Grüße
    Nessa

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      Anna

      Vielen Dank für dein Feedback. Du triffst es auf den Punkt: Auch wenn man es nicht will, man fängt doch an zu zweifeln und sich zu hinterfragen 🙁 Wenn ich daran zurück denke, wie toll ich Instagram fand, als ich es vor einigen Jahren entdeckte und was diese Plattform jetzt mit einem macht…

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    capricorn2ba

    Anna, ich bin be-geis-tert!
    Toller Beitrag. Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich liebe es wie toll du schreibst, immer!
    Dieser Beitrag gefällt mir besonders gut, weil du auf jedes Detail eingehst und alles perfekt beschreibst. Du sprichst mir regelrecht aus der Seele! Dieser ganze „Follower“-Bullshit hat mir die Motivation genommen. DANKE an dich, für deine ehrlichen Worte zu diesem Thema. Ich kann diese ganzen unauthentischen Profile, mit krass vielen Followern aber langweiligen Standardbildern, nicht mehr sehen und suche verzweifelt nach kreativen inspirierenden Profilen.
    Instagram war so toll und ist immernoch meine Lieblingsplattform, aber wie man so schön sagt „früher war alles besser“…
    Vielleicht ändert sich bald irgendwas 🙂
    Ich habe meine Favorite-Instagrammer/Blogger und mir ist egal wie viele Follower sie haben – ihr gehört dazu! :-*
    Liebe Grüße,
    Tuba

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